Mitgefühl entfacht Leidenschaft

Der Regisseur Martin Scorsese (The Irishman) sagte über die Leidenschaft: „Es sieht mühelos aus, aber es ist sehr kompliziert, einfach zu sein. Es ist wie Clint Eastwoods Persona, die sehr cool und ruhig ist, aber unter der Oberfläche tut sich viel – dort ist sehr viel Leidenschaft verborgen und eine ganze Menge Verständnis für das menschliche Wesen.“

Wo ist die Leidenschaft? Wo versteckt sie sich? Anstatt ein Feuer zu spüren, das uns antreibt, das uns nach vorne bringt, unsere Herzen pulsieren lässt und unsere Körper und Geister belebt, fühlen wir mehr Leid als Leidenschaft.

Wenn die Leidenschaft verfliegt, wir uns selbst nicht mehr sehen, nicht mehr spüren und nur ins Leere schauen, unseren Frust mit alten — längst vergessen geglaubten — Mustern stillen, dann brauchen wir Mitgefühl. Mitgefühl für uns selbst: Inne halten….und fühlen. Unsere Gefühle erleben: Angst, Wut, Frustration. Wir brauchen Mitgefühl, wenn wir unsere Leidenschaft (wieder)finden wollen, weil wir am Anfang schon am Ziel sein wollen, weil uns der Prozess dorthin Angst macht, weil er anstrengend ist, weil wir scheitern könnten und weil wir uns selbst besser kennen lernen und Dinge an uns sehen könnten, die wir nicht sehen wollen: Dafür brauchen wir Mitgefühl.

Kontrolle und Forcierung lassen uns glauben, dass wir genau wissen was passieren wird. Lasst mich an dieser Stelle gleich sagen: „Tun sie nicht!“, sie bringen nur Ärger und Frustration. Wenn es um Gefühle geht können wir nichts kontrollieren und genau dafür brauchen wir Mitgefühl, für uns selbst — für die negativen Gefühle, aber auch für die positiven. Wir müssen letztendlich lernen, einen Umgang mit unseren Emotionen zu finden.

Angst hemmt uns das zu tun, was wir eigentlich wollen: Uns bei dem Job bewerben, den wir wirklich wollen, die Person anzusprechen, die wir toll finden, zu sagen, was wir wirklich denken. Warum können wir es nicht wagen und es einfach tun, selbst wenn wir scheitern könnten?

Wut lässt uns die Fassung verlieren, das eigentliche Problem nicht mehr wahrnehmen. Wir wissen nicht was passiert und während wir damit beschäftigt sind unsere Wut zu unterdrücken, wird sie nur noch stärker, bis wir nicht mehr können. Warum können wir sie nicht von Anfang an zulassen und sie laut aussprechen?

Frustration lässt uns stagnieren, gibt uns das Gefühl nicht weiterzukommen. Uns fällt es schwer unsere eigenen Gefühle und/oder unsere eigenen Umstände zu akzeptieren — oder auch allgemeine Umstände, wie die Corona-Pandemie. Ich sage nicht, dass es einfach ist Dinge zu akzeptieren, im Gegenteil: Es ist harte und nervige Arbeit!

Und neben all den negativen Gefühlen sind da noch die positiven: Zuneigung und Liebe. Auch diese können schwierig sein, weil sie auch Angst machen können. Zuneigung und Liebe bedeuten auch, dass wir uns verletzlich machen, dass jemand mit unseren Gefühlen spielen könnte und wir das mit uns machen lassen — das ist der Grund warum Liebe von vielen Menschen als schwach angesehen wird. Wenn wir aber lernen unsere Gefühle zuzulassen und unsere Zuneigung und Liebe akzeptieren können und sie, ohne den Anspruch etwas dafür zurückzubekommen, geben können, werden wir keine Angst mehr vor der Liebe haben. Bedingungslos lieben. Viele von euch werden jetzt sagen, dass Liebe nie bedingungslos ist — nur zwischen Eltern und Kindern vielleicht und das auch nicht immer –, aber ich behaupte das Gegenteil. Ich glaube, dass Liebe an sich immer bedingungslos ist. Das Einzige, das nicht bedingungslos ist, ist die Beziehung, die daraus entsteht. Ich kann jemanden lieben und trotzdem akzeptieren, dass die Person nicht so ist wie ich das in einer Beziehung ertragen kann. Und dieses Gefühl, das daraus resultiert — erwiderte Liebe, unerwiderte Liebe, bedingungslose Liebe — braucht Mitgefühl und entfacht Leidenschaft. Leidenschaft kann niemals aus der Unterdrückung von Gefühlen entstehen; kann niemals entstehen, wenn wir uns selbst nicht akzeptieren lernen, kann nicht entstehen, wenn wir nicht bereit sind uns selbst kennen zu lernen — das heißt nicht, dass wir uns nicht auch, im Laufe unseres Lebens, ändern können.

In anderen Worten: Um unsere Leidenschaft zu finden und um sie zu spüren, müssen wir uns für uns selbst und unsere Gefühle öffnen. Das Gefühl, das kommt, spüren, lokalisieren und akzeptieren. Dann können wir uns fragen woher es kommt. Und so dumm wie wir es rational vielleicht sehen, dass wir dieses bestimmte Gefühl in einer bestimmten Situation haben, müssen wir es zulassen. Wir werden auf dem Weg zu unserer Leidenschaft viele solcher Momente erleben. Manche werden uns umhauen und wir werden Tage brauchen, um sie zu akzeptieren und zu verstehen. Aber es wird auch Tage geben, an denen wir unsere Gefühle sofort verstehen und akzeptieren können — je nachdem, was wir als gesellschaftlich akzeptabel empfinden und was nicht. Und während dieser Zeit, während wir uns selbst in Bewegung setzten und uns auf den Weg machen unsere Leidenschaft (wieder) zu finden, müssen wir viel Mitgefühl mit uns haben, nett zu uns sein und uns selbst verstehen lernen.

Come passion! Set yourself in motion!

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